Gerste eignet sich besser zum Mälzen als viele andere Getreidesorten, weil sie eine Schicht „lebendigen Gewebes" zwischen der Spelze und dem stärkereichen Inneren besitzt. Einige der dort gebildeten Enzyme bauen das Protein des Korns in Aminosäuren ab – unverzichtbar für die Entstehung der oben genannten aromatischen Alkohole und Ester. Bei Weizen, Roggen oder Mais ist dieses lebende Gewebe nur eine Zelle dick. Bei Gerste sind es drei Zelllagen – also deutlich leistungsfähiger.
Gerste enthält außerdem gebundene Phenolsäuren. Beim Maischen werden diese als Ferulasäure freigesetzt, die die Hefe dann in würzige, nelkenartige Geschmacksverbindungen umwandelt.
Eine weitere Umwandlung während des Mälzens findet statt, wenn die Gerste gedarrt und geröstet wird, wodurch sich ihr Aussehen und ihr Geschmack verändern und sie karamellisiert. Hier ist eine Menge Chemie im Spiel, die auch das lebende Gewebe einbezieht. Zum Glück haben wir Lisa Matthews, Produktionsassistentin, die erklärt, was diese Verbindungen bewirken:
„Sie wirken als Antioxidantien während der Fermentation und Reifung. Außerdem gelangen sie direkt in den Whisky und beeinflussen die endgültige Farbe sowie malzige, toastige oder geröstete Geschmacksprofile."
Es gibt wissenschaftliche Studien, die versucht haben, Geschmack zu quantifizieren. Einige untersuchen Unterschiede zwischen Sorten, andere die Unterschiede durch Terroir und Böden. Siehe diese Studie der Oregon State University oder diese Forschungsarbeit der University of Adelaide über Würze (die nach dem Maischen entstehende Flüssigkeit) für Bier.
Die Forschung darüber, wie und in welchem Ausmaß die verschiedenen Stellschrauben bei der Gerste zu unterschiedlichen Geschmacksprofilen im fertigen Whisky führen, geht weiter. Professor James Brosnan, Forschungsdirektor am Scotch Whisky Research Institute, hat uns freundlicherweise folgende Einschätzung mitgeteilt:
„Als Ausgangsrohstoff für Malt Whisky ist Gerste – und ihre Wechselwirkung mit dem Mälz- und Brennereiprozess – von enormem Einfluss auf die Bereitstellung wichtiger Geschmacksbausteine. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass jede Nuance oder Veränderung bei der Gerste oder ihrer Verarbeitung eine spürbare Auswirkung auf den Geschmack in der Flasche haben wird."
Natürlich ist die individuelle Ernte eines jeden Anbaugebiets auch immer eine Reaktion auf die Bedingungen des jeweiligen Jahres. Es scheint einen Konsens zu geben, dass Wetter und Umweltfaktoren die Qualität des Getreides beeinflussen können. Und viele sind der Meinung, dass Qualität letztlich nur am Ertrag gemessen werden sollte, bevor andere Variablen berücksichtigt werden.
Unser Ansatz ist grundlegend anders.